Alpencross 1999

von Garmisch-Partenkirchen zum Gardasee

(27. Mai - 3. Juni 1999)


6 Tage, 414 km, 9.290 hm, ca. 30 h reine Fahrzeit, 41 h Fahrspaß incl.Pausen

Strecke Entf. Höhenm. Fahrzeit netto Fahrz.brutto
1. Etappe: GAP-Grainau nach Imst
60 km
1890 Hm
04:51 h
06:49 h
2. Etappe: Imst nach Nauders
78 km
1970 Hm
05:55 h
08:35 h
3. Etappe: Nauders nach Tscherms
99 km
670 Hm
05:45 h
08:29 h
4. Etappe: Tscherms nach Male
75 km
2230 Hm
06:08 h
09:04 h
5. Etappe: Male nach Ponte Arche
68 km
1880 Hm
06:12 h
10:01 h
6. Etappe: Ponte Arche nach Torbole 34 km 650 Hm 02:29 h 03:55 h
Gesamt: Höhenprofile und weitere Details
414 km
9290 Hm
31:20 h
40:53 h

Vorgeschichte:

Im Januar 1999 kam ich (39 Jahre) begünstigt durch diverse Berichte in Radzeitschriften auf die Idee, einen Alpencross anzugehen. Allein hat so was keinen Zweck; also fragte ich meinen Kumpel Stephan Flachsenberg (42 Jahre), der grundsätzlich als Triathlet und Marathonläufer sportlichen Ausdauerleistungen gegenüber nicht abgeneigt ist. Stephan wiederum teilte die Idee weiteren Bekannten mit - und die Begeisterung unter seinen Sportsfreunden war allenthalben groß, sodass der Kreis möglicher Teilnehmer alsbald beängstigend weit wurde. Aber wie es immer so ist, wenn's ernst wird, bleiben nur noch wenige. Es schloss sich lediglich noch Hans Becker (52 Jahre) unserem im Februar 1999 einsetzenden Training an, das nicht nur etliche Kilometer auf die Tachos brachte, sondern auch angesichts der winterlichen Witterungsverhältnisse zu vielen Laufeinheiten führte.  

Vorbereitung:

Bedingt durch berufliche und familiäre Gegebenheiten kam als Termin für den Alpencross nur die Woche vor Fronleichnam in Betracht; also Ende Mai / Anfang Juni. Uns war klar, dass dies für eine Alpenüberquerung ein sehr früher Zeitpunkt ist. Deshalb - und weil wir uns als völlig Ahnungslose auch nicht gleich übernehmen wollten - sollte die Route möglichst nicht in Höhenbereiche führen, in denen noch sicher Schnee liegen würde.

Einen gewissen Diskussionsraum nahm die Frage ein, ob wir uns einem kommerziellen Anbieter anschließen oder die Sache selbst organisieren. Die Entscheidung fiel aufgrund zweier wesentlicher Umstände. Zum einen gab es keinen Anbieter, der gerade in dieser Woche eine geführte Tour anbot; zum anderen fand sich mein Vater Hans-Meinhard Dreyer (69 Jahre) bereit, uns mit dem PKW zu begleiten, sodass sowohl Gepäcktransport während der Fahrt als auch der Rücktransport gesichert waren (ich weiß schon: so manch einem, der sein Gepäck täglich mitgeschleppt hat, wird jetzt der Begriff "Warmduscher" einfallen). Gleichwohl war dies eine spitzenmäßige Lösung und kann nur weiter empfohlen werden. Das Tagesgepäck lässt sich auf diese Weise auf angenehme 4-6 kg reduzieren und trotzdem stehen abends ausreichend Klamotten und Material zur Verfügung, um noch einen Ortsbummel zu unternehmen und die Fahrräder einem mehr oder weniger umfangreichen Service zu unterziehen.

Die Gepäckliste ergab sich anhand diverser Hinweise in Zeitschriften oder aus Berichten Gleichgesinnter im Internet. Die täglich mitgeführten Ersatzteile haben wir nicht benötigt. Zu unserer großen Überraschung verlief die Fahrt ohne jede Panne.

An vorbereitendem Training haben wir wöchentlich von Februar bis Mai 3-4 Einheiten abgespult: 2-3 mal eine gute Stunde Laufen in einem Pulsbereich von ca. 130, und im übrigen 2-4 Stunden Radfahren mit je ca. 400-800 Höhenmetern. Zu Jahresbeginn handelte es sich dabei vielfach um ein Wühlen in Schnee und Schlamm. Als weitgehend Untrainierter habe ich dabei anfangs so manches Mal geflucht. Fest steht nach den Erfahrungen des Alpencross allerdings, dass selbst die vergleichsweise gemäßigte Route nur zu bewältigen ist, wenn eine einigermaßen solide Grundlagenausdauer mitgebracht wird. Demgegenüber tritt bei der konkreten Streckenführung die Fahrtechnik eher in der Hintergrund. Anspruchsvolle Passagen gibt es zwar, aber man kann - und muss bisweilen - auch mal ein Stück schieben.

Die Strecke haben wir anhand von Kompass-Wanderkarten (Kartenliste) im Maßstab 1:50.000 erarbeitet. Die sind schon ziemlich gut, weisen aber trotzdem noch etliche Ungenauigkeiten auf. So kam es hin und wieder zum Verfahren, was wir aber nach den eher schlechten Erfahrungen am ersten Tag durch sorgfältigeres Abchecken der örtlichen Verhältnisse und gegebenenfalls kurze Suchfahrten in die eine oder andere Richtung im Folgenden kompensieren konnten. Eine sehr große Hilfe war in diesem Zusammenhang ein mitgeführter Höhenmesser (als Bestandteil der Pulsuhr Ciclo Hactronic HAC 4). Richtig zum Tourenbeginn geeicht, erleichtert er die Standortbestimmung deutlich. Zudem ist er bei Anstiegen eine echte Hilfe, wenn es darum geht, wie lange man sich noch hochquälen muss.

1. Tag: von Grainau nach Imst (60 km, 1890 hm):

Von (Foto der Teilnehmer am Start) der Talstation der Zugspitz-Zahnradbahn in Grainau (750 m) bei Garmisch-Partenkirchen ging es über den geteerten Wanderweg G3 und den deutlich steileren Pfad E zunächst zum Eibsee. Eine Umrundung des Sees haben wir uns angesichts einer Wegstrecke von 9 km erspart; je nach Touristenandrang könnte dies auch in einem heftigen und mit Beschimpfungen begleiteten Slalom enden. Vom Eibsee aus geht es über breite Forstwege zur Hochthörlehütte (1459 m) kurz hinter der deutsch-österreichischen Grenze. Achtung! Irgendwo oberhalb von 1300 m weist ein Schild zur Hochthörlehütte und bietet einen verheissungsvollen Single-Trail an, der nach links von dem Forstweg abführt. Dem Schild sollte man auf gar keinen Fall auf den Single-Trail folgen, weil er im Nichts endet. Da wir das nicht wußten, nahmen wir ihn natürlich und standen nach Schieben und Tragen der Räder irgendwann genau auf der Grenze, die sich durch eine kerzengerade Schneise durch den Wald auszeichnet. Radfahren kann man dort jedenfalls nicht. (Wie man es richtig macht, steht in dem Bericht über unseren 2000er-Alpencross) Diverse Suchexpeditionen führten schließlich zu der ersehnten Hütte. Von dort geht es bequem talwärts nach Ehrwald (994 m). Insbesondere sollte man es kurz hinter dem Hotel "Diana" nicht verabsäumen, den Plattenweg zu nehmen, einem aus lauter ca. 50 cm breiten Platten bestehendem Weg, der allerlei Kurven ziehend mitten durch eine Wiese führt. Aber Achtung; je nach Höhe der Gräser bleiben die bisweilen tiefen Rinnen rechts und links neben den Platten verborgen. Weiter auf der Straße Richtung Biberwier und kurz hinter dem Ortsausgang Ehrwald nach Überqueren eines Baches nach links über ein Gatter auf den "Panoramaweg", weiter über den "Höhenweg" und "Lärchenweg" zum Weißensee. Hier sollte uns eigentlich der "Römerweg" in die Nähe des Fernpasses bringen. Leider war der See infolge der in der Vorwoche heruntergegangenen Unwetter über die Ufer getreten und hatte uns zu unserem eigenen Leidwesen wie zu dem der LKW- und Gespannfahrer auf die Passstraße gezwungen. Kurz hinter dem Fernsteinsee ging es erneut in den Wald und über die "Forstmeile" mit der Kennzeichnung 2 nach Nassereith (827 m). Der Rest bis Imst (827 m) ist easy und gut geeignet zum Ausrollen ohne nennenswerte Höhenunterschiede. Über den Weg 31 geht es stets am Waldrand entlang über Strad nach Imst. (Unterkunftshinweis: Wir waren sehr gut untergebracht in einer Ferienwohnung des Gasthofes "Zum Hirschen" http://www.hirschen-imst.com; der Gasthof scheint auf Tagesgäste eingerichtet zu sein, Preis: ca. 57,00 DM p.P.)

2. Tag: von Imst nach Nauders (78 km, 1970 hm):

Von Imst ging es zunächst nach Arzl südlich des Inn. Dort haben wir vergebens den Eingang in die Pitzeklamm gesucht und sind stattdessen über eine modern gestylte Brücke mit Bungee-Station nach Wald (890 m) gelangt. Auf einer geteerten aber sehr wenig befahren Straße ging es mit tollem Ausblick ins Pitzetal über Ober- und Unterleins und einer Zwischenhöhe von 1243 m nach Jerzens (1107 m). Dort runter auf ca. 960 m über den Pitzebach auf die andere Seite und durch den Wald am Hang entlang nach Matzlewald (1131 m) und Piller rauf zur Pillerhöhe (1559 m). Hier bietet sich ein bemerkenswerter Blick ins Inntal und auf die umliegende Bergwelt (Foto). Der Hinweis in der Mountain-Bike Heft 5/99 Seite 163, wonach sich die zusätzlichen Höhenmeter durchs Pitzetal nicht lohnen würden, stimmt absolut nicht. Von der Pillerhöhe geht`s runter nach Prutz (866 m). Kurz nach Beginn der Abfahrt liegt rechts das Hotel Alpenrose, wo ein Wirtschaftsweg einen schönen Downhill abseits der Passstraße ermöglicht. Hier machte sich erstmals Hans' quietschende V-Brake nervend bemerkbar, was den Rest der Alpenüberquerung auch nicht besser wurde. In Prutz sind wir über den Inn und haben auf der westlichen Seite, die nachmittags weitgehend im Schatten liegt, die "Via Claudia" gewählt (Foto). Die anfangs angebrachten Hinweise "Nur für geübte Wanderer" sind in der Tat berechtigt. Zwar läßt sich der Weg weitgehend befahren; allerdings ist ein Teilstück unterhalb von Serfaus schiebend zurückzulegen, weil rechts des gut lenkerbreiten Weges der Berg fast senkrecht ansteigt und links ebenso abfällt. Mit sehr guter Fahrtechnik, Mut und Konzentration kann man da möglicherweise auch fahren. Nach den bis dahin zurückgelegten Höhenmetern und Temperaturen von deutlich über 30 Grad wollten wir das Risiko jedoch nicht eingehen. Weiter ging es über den Inntal-Radweg bis Pfunds, dort auf die östliche Flussseite und über den "Wiesenweg" zur Kajetans-Brücke. Von hier an kommt man nur noch über Straßen nach Nauders. Der direkte Weg führt durch zahlreiche Tunnel auf einer sehr stark frequentierten Straße zum Ziel. Wir haben es deshalb vorgezogen, erneut auf die westliche Seite des Inn zu wechseln und auf der kaum befahrenen Straße in das schweizer Martina (1035 m) zu fahren, von wo aus eine Serpentinenstraße über die Norbertshöhe (1454 m) nach Nauders (1394 m) geht. Diese weiteren gut 400 Höhenmeter sind am Ende des Tages zwar anstrengend, aber immerhin noch nahezu durchgehend im 3. bis 4. Gang (von 24 Gängen) zu fahren (Unterkunftshinweis: Nauders ist im Mai noch total ausgestorben, lediglich wenige Häuser haben geöffnet. Gute Unterkunft und ein hervorragendes Frühstück mit der Möglichkeit, auch Proviant zu bunkern, fanden wir bei Frau Maas im "Haus Mondschein", Dr. Tschiggfreystraße 31, Tel. + Fax: +43 (0) 5473-87443, ca. 55,00 DM p.P.)

3. Tag: von Nauders nach Tscherms (99 km, 670 hm):

Der dritte Tag war eigentlich zur Erholung als reine Überbrückungsetappe gedacht - mal eben zum Reschenpass (1504 m) hoch und dann Höhenmeter abbauen durch´s Vinschgau bis kurz hinter Meran (235 m). Ganz so einfach war´s dann doch nicht. Von Nauders ging es weiter über die Via Claudia (Weg Nr. 26) zur österreichisch-italienischen Grenze und nach Reschen. Um die vielbefahrene östlich des Reschensees gelegene Straße zu vermeiden, bogen wir in Reschen am Ortseingang nach rechts ab und nahmen die westliche Seeseite - nicht ahnend, dass es dort erst mal prächtig bergan geht. Landschaftlich ist das aber ebenso wie die Abfahrt nach St. Valentin ganz reizvoll. Noch schöner wird es in der westlichen Passage des Haidersees und dann die Abfahrt über Burgens, Schleis, Laatsch nach Glurns (907 m). Auf dem Weg nach Laas haben wir uns in Prad verfahren und sind an einer Wassertretstelle an eine längere Schiebepassage bis nach Tschengls geraten, die absolut überflüssig war. Von Laas geht es über Single-Trails die Etsch entlang bis Brugg, wo uns aus unerfindlichen Gründen ein Landwirt in die falsche Richtung schickte. Über Schlanders, Latsch und Naturns führen etliche Wegvarianten entlang der Etsch nach St. Helena südlich von Partschins. Dort bietet sich eine interessante, aber für Radfahrer nicht erlaubte Strecke nach Tscherms (315 m) an: der sog. Waalweg. Bei dem Waal handelt sich um eine überwiegend offene Wasserleitung, die um den Bergrücken südwestlich von Meran herumgeführt wird. Der Waal wird von einem schmalen Weg begleitet, der teilweise auf Stegen und Brücken an den Berg gehängt ist, ansonsten als Single-Trail die Wasserleitung begleitet. Als bevorzugter Wanderweg für Einheimische und Touris ist er - wie wir erst auf dem Weg feststellten - für Radfahrer gesperrt. Da wir Sonntags nachmittags den Weg erreichten, war entsprechend viel los. Vermutlich ist er in der Woche nur mäßig frequentiert.

4. Tag: von Tscherms nach Male (75 km, 2230 hm):

Der vierte Tag sollte sich wegen eines Fehlers bei der Planung der Tour als der anstrengenste erweisen. Wir (also eigentlich ich als Tourenausarbeiter) haben schlichtweg auf der Karte das Brezer Joch übersehen. Na ja, von Anfang an: Von Tscherms über Lana führt die Route zum Einstieg zum Gampenpass. Bei St. Georg sind wir abgebogen nach Völlan und von dort weiter zur Gallnerhütte. Hier geht es mächtig bergan, teilweise bis zu 22 %, wenn auch geteert. Ein technisch teils anspruchsvoller Waldweg führt nach Unterplatzers. Über Platzers (1280 m) erreichten wir schließlich auf der Passstraße das Gampen-Joch (1518 m). In dem Ort "Unsere Liebe Frau im Walde" nahm das Unheil seinen Lauf. Wir suchten und fanden den Pfad zum Rifugio Arnika, wobei wir einige hundert Meter die Räder oberhalb eines abgerutschten Hanges schieben und tragen mußten. In Castelfondo (948 m) wählten wir nicht die unspektakuläre aber einfache Variante über Brez und Clos, sondern begaben uns nach Laurein (1148 m), ohne zu ahnen, dass zwischen beiden Orten das Brezer Joch (1397 m) noch mal alle Kräfte verlangt. In Laurein war die Straße nach Rumo durch Bauarbeiten unpassierbar, sodass es auf der Straße weiterging nach Revo (Foto). Von dort nach Westen zur Pte. Mostizollo, über die Brücke die Schlucht überquert und schließlich auf einem Radweg durch ein Naturschutzgebiet bis nach Male (738 m). Unterkunftsmäßig war dieser Ort leider wenig erbaulich. Die meisten Hotels waren dicht, sodass nur für vergleichsweise teures Geld eine Absteige für Montagearbeiter blieb. Zudem war auch bis auf eine einigermaßen brauchbare Pizzeria kein vernünftiges Speiselokal offen (Es bietet sich m.E. an, die Etappe um ein paar Kilometer bis nach Dimaro zu verlängern. Anderen Berichten entnehme ich, dass es dort keine Unterkunftsprobleme gibt).

5. Tag: von Male nach Ponte Arche (68 km, 1880 hm):

Der vorerwähnte Radweg durch das Naturschutzgebiet brachte uns nach Dimaro. In der ersten Kehre der Strecke nach Madonna di Campiglio verließen wir die Straße nach links und fuhren weiter auf einem zumeist mit groben Schotter versehenen Wirtschaftsweg steil bergan. Landschaftlich war das erneut sehr reizvoll, weil der Weg durch den Wald einem Flußlauf folgt. Nach den Anstrengungen des Vortrages konnte ich jedoch die Schönheit des Weges nicht so genießen und war vielmehr damit beschäftigt, meine Beine zu überreden, nun endlich ohne zu Murren die Arbeit aufzunehmen. Zudem beschränkte sich mein Blickwinkel oft auf die nächsten drei Meter vor dem Vorderrad. An einem Golfhotel in 1700 m Höhe war schließlich der vorerst höchste Punkt erreicht. In Madonna di Campiglio (1522 m) verschafften wir uns mit einer Ladung Spaghetti neue Kräfte und diskutierten die Frage, ob wir angesichts der fortgeschrittenen Zeit nicht besser die Straße nach Tione di Trento runterbrettern oder - wie vorgesehen - durch das Val d'Agola einen weiteren Anstieg auf knapp 1900 m angehen. Letztlich siegte der Ehrgeiz über die Vernunft - im Ergebnis auch zurecht. Die Eindrücke auf der folgenden Passage waren die bemerkenswertesten der ganzen Tour. Hinter dem Ortsausgang galt es, die Abfahrt nach Val Brenta in ca. 1100 m Höhe zu finden. Von dort führte ein gut befahrbarer Weg durch das gleichnamige Tal (Foto) zum Lago di Val d'Agola (1595 m). Danach wurde es richtig happig. Eine knapp einstündige Schiebe- und Tragepassage brachte uns über die Wege 324 und 307 zum Passo Bregn de l'Org und Passo del Gotro. Wunderbare Ausblicke zurück in das Val d'Agola und den gleichnamigen See, das Val di Nardis und das Val di Algone (Foto) machten die Anstrengung wett. Durch das letztgenannte Tal ging es nun 20 km bergab (zur Hälfte geschottert mit ständigen Querrillen zum Ableiten des Wassers, zur anderen Hälfte geteert). Am Ausgang des Tales waren es bis Ponte Arche über Stenico nur noch wenige Kilometer. Ponte Arche hinterläßt auf der Karte mit nur einigen eingezeichneten Häusern einen unscheinbaren Eindruck. Allerdings handelt es sich um einen Kurort mit etlichen Unterkunftsmöglichkeiten.

6. Tag: von Ponte Arche nach Torbole (34 km, 650 hm):

Der letzte Tag, der nur zum Ausrollen gedacht war, hielt auch noch seine unangenehmen Überraschungen parat. Von Ponte Arche (400 m) ging es auf der 421 bergan nach Dasindo (512 m). Dort bogen wir ab nach Süden in das Val Lomasona - anfangs ein geteerter und geschotterter Feldweg mit sanfter Steigung, später nur noch ein Wanderpfad (Nr. 410), der aufgrund der Steigung und des grob geschotterten Untergrundes erneut zum Schieben der Räder zwang (als Alternative zum Val Lomasona bietet es sich an, von Dasindo aus über Fiave und Ballino (755 m) zum Lago di Tenno zu fahren; am letzten Tag darf man es sich ruhig etwas gemütlicher machen). Vorbei am Rifugio St. Pietro (976 m) gelangten wir nach Calvola, wo sich ein erster Blick auf den Gardasee bot. Leider war es dermaßen dunstig, dass der See nur zu erahnen war. Im Gegensatz zum bisherigen Streckenverlauf, wo wir praktisch auf keine Mountain-Biker getroffen waren, machte sich nun das Bike-Paradies Gardasee durch zahlreiche Radler bemerkbar. Über Varignano gelangten wir nach Arco, um im Innenhof der Cantina Marchetti unser abschließendes Mittagessen einzunehmen. Die restlichen 6 km nach Torbole entlang der Sarca führten letztendlich zum Ufer des Gardasees. Dort kam es zu meinem großen Bedauern zu einer recht überstürzten Abreise, weil die Unlust meiner Mitstreiter, nochmals eine Unterkunft zu suchen, ein weiteres Verweilen nicht möglich machte.

Kartenmaterial:

Zur Verwendung kamen folgende Kompass-Wanderkarten im Maßstab 1:50.000:

- Nr. 25 Ehrwald-Lermoos
- Nr. 35 Imst-Telfs
- Nr. 42 Landeck-Nauders
- Nr. 52 Vinschgau
- Nr. 53 Meran
- Nr. 73 Gruppo die Brenta
- Nr. 071 Alpi di Ledro

Ausrüstung:

Räder: Wir waren alle drei auf Fullys (Centurion Eurofighter, Cannondale Super V 2000, Steppenwolf Tycoon) unterwegs - kein Muss, aber grundsätzlich angenehm. Allerdings ist jedes Kilogramm Gewicht bei den Schiebe- und Tragepassagen besonders schmerzlich. An den häufigen besonders steilen Strecken haben sich 32 Zähne auf dem größten Ritzel der Kassette bewährt, es können auch zwei mehr sein. Es schadet nicht, das kleinste Kettenblatt vorne so klein wie möglich (20 Zähne) zu wählen.

Gepäck: Als Tagesgepäck führten wir im Rucksack neben Regenklamotten und Energieriegeln, Werkzeug, Kamera, Handy, Sonnenschutzmittel und einem Ersatztrikot anfangs noch warme Handschuhe, Regenüberschuhe und kurze bzw. lange Radhosen mit, je nach dem, womit wir gestartet waren. Das mit den Handschuhen, Regenüberschuhen und Hosen erübrigte sich ab dem dritten Tag, weil wir durchgehend überraschend warmes und gutes Wetter hatten. 2 1/2 Stunden Regen auf 6 Tage verteilt ist wahrlich nicht zu verachten. Auch der wasserdichte Packsack im Rucksack kam so letztlich nicht zum Einsatz. Mit so viel Glück wird man aber nicht stets rechnen können (siehe zur gegenteiligen Wetterlage zur selben Jahreszeit im Folgejahr den Bericht über den 2000er-Alpencross). Als Hobbyfotograf habe ich es mir nicht nehmen lassen, meine Spiegelreflex mit einem 28-200-mm Zoom einzupacken. Dies stellte sich als völliger Quatsch heraus. Erstens ist diese Ausstattung zu schwer, zweitens muß man sie stets im Rucksack mitführen, sodass spontane Fotos ausgeschlossen sind. Als wesentlich praktischer erwies sich eine weitere Kleinbildkamera, die problemlos in eine Trikottasche oder Außentasche des Rucksacks passte, womit sie sogar während der Fahrt eingesetzt werden konnte.

Werkzeug pp: Ersatzspeichen, - schlauch, -züge, -bremsbeläge und Kettenglieder sollten schon dabei sein. Reifenheber, Luftpumpe, Minitools und ein kleines Gebinde Schmiermittel erschienen uns als Werkzeug angezeigt. Aber wie schon erwähnt - wir haben es mit Ausnahme des Schmiermittels nicht gebraucht.

Tips und Empfehlung:

Sollte einer der geneigten Leser Fragen haben, gar die Strecke nachgefahren sein oder sich nur an den Informationen dieser Seite erbaut haben, würde ich mich über ein e-mail an DreyerJuergen@t-online.de sehr freuen.

Links:

andere Berichte über Mountain-Bike-Alpencrossunternehmungen gibt es bei:
- Markus Lauterbacher:
http://www.lautenbacher.de/markus/ac2000/ (Garmisch-Gardasee)
- Anton Berger:
http://www.bnro.de/~aberger/alptrans/alptrans.html (Gardasee-Schliersee)
-
http://www.bikeguide.de/ (mehrere Routen, weitere Links)
- Elmar Neßler:
http://www.faszination-alpen.de (Innsbruck-Gardasee, weitere Links)


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Letzte Änderung: Juli 2008