Eintägige Mountainbike-Tour Grimmsteig in Nordhessen (80 km, 1.840 Höhenmeter)
Höhenprofil
Am 17.08.2012 unternahmen mein Freund Jan und ich eine eintägige Mountainbike-Tour, die sich in der Streckenführung an den Premium-Wanderweg Grimmsteig anlehnte. „Anlehnte“ deshalb, weil an einigen Stellen ein Befahren für normale Mountainbiker unmöglich ist und weil uns an anderen Stellen das raschere Vorankommen auf der Straße wichtiger war, um im gesteckten Zeitrahmen zu bleiben. 

Vorauszuschicken ist, dass der Grimmsteig ganz überwiegend auf Feld- und Waldwegen verläuft, die auch mit zweispurigen Fahrzeugen zu befahren sind. Der Anteil an geteerten Wegen ist minimal, der Anteil an Single-Trails demgegenüber vergleichsweise hoch. Bei letzteren kommt es für die Befahrbarkeit allerdings ganz entscheidend auf die Witterungslage an; viele dieser Passagen waren von Holzrückarbeiten nachhaltig beeinträchtigt, sodass wir nur angesichts des trockenen Wetters in den vier Wochen vor der Fahrt keine Probleme hatten. Im Falle hinreichender Niederschläge dürfte dies anders aussehen. Wenig premiumhaft an dem Wanderweg waren außerdem die nicht selten anzutreffenden Abschnitte, die durch mannshohe Brennnesseln und Dornengestrüpp überwuchert waren. Der Einwand, Radfahrer hätten ohnedies auf dem Wanderweg nichts zu suchen, verfängt in diesem Zusammenhang kaum, weil auch Wanderer in hiesigen Breiten selten mit Macheten ausgestattet sein dürften.

Apropos: „auf dem Wanderweg nichts zu suchen“: Wir trafen auf den gesamten 80 km trotz besten Wetters an einem Freitag im Sommer nicht einen einzigen Wanderer an, obgleich in den Monaten vor der Tour vermehrt in der lokalen Presse der Weg beworben worden war. Konfliktpotential scheint danach kaum zu bestehen, wobei sich ohnedies fragt, weshalb Wanderer und Mountainbiker bei entsprechender wechselseitiger Rücksichtnahme nicht miteinander auskommen sollten.

Der Weg ist nahezu ausnahmslos gut markiert; und zwar in geschlossener Ortslage mit grünen Aufklebern mit einem weißen G (welches bei näherer Betrachtung die Silhouetten der Gebrüder Grimm darstellen soll) und außerhalb mit einem weißen G an den Bäumen. Mit dem Kartenmaterial sieht es hingegen nicht uneingeschränkt rosig aus. Es gibt eine Karte „Kaufunger Wald und Meißner“ vom GEO-Verlag (4,90 €) im Maßstab 1:33.333, mit der man sehr gut informiert wird, die aber leider südlich der Linie Quentel-Hessisch-Lichtenau-Hausen endet und damit rund 20 km der Strecke nicht erfasst. Insoweit bietet derselbe Verlag ein ganz gutes Faltblatt, welches im Maßstab 1:45.000 (wenn auch ohne Höhenlinien) den ganzen Weg zeigt und wohl unentgeltlich bei den touristischen Informationen der beteiligten Gemeinden erhältlich ist. Dort soll es auch genauere Wegbeschreibungen und Karten der fünf Teiletappen geben, die wir nicht hatten. Näheres dürfte über die de-Domain des Grimmsteig(es) in Erfahrung zu bringen sein.

Meißner von Westen aus gesehenDen Start unserer Radtour gegen 10:30 Uhr legten wir losgelöst von dem Wandervorschlag nach (Ober)Kaufungen, wo man in Rathausnähe am Friedhof in der Teichstraße kostenfrei parken kann und sich praktisch schon auf dem Grimmsteig befindert, der dort u.a. die nahe Niester Straße entlang führt. Die Wahl des Startpunktes sollte sich später als sehr geschickt erweisen, weil es auf dem Stück von Kaufungen nach Wellerode (als dem offiziellen Startpunkt der ersten von fünf Wanderetappen) schon mal ordentlich bergan geht (200 m – 450 m, alle Höhenangaben sind Zirka-Werte und beziehen sich auf NN), was zu Beginn der Tour leichter zu bewältigen war, als es gegen deren Ende der Fall gewesen wäre. Es folgte eine sehr schöne - später am Fahrenbach leicht bergab verlaufende - Single-Trail-Passage. Zwischen Wellerode und dem Köhlerplatz oberhalb von Wattenbach folgten wir nicht dem Grimmsteig, da uns bekannt war, dass ein größerer Streckenabschnitt wegen des Brennnesselbewuchses nicht befahrbar war. Über den örtlichen Wanderweg 12 fuhren wir erneut bergan (300 m – 470 m) bis zum Franzosentriesch und geradeaus weiter bis zur L 3460. Hinter dem Köhlerplatz verlor sich der Weg wieder im überwuchernden Gestrüpp, sodass es sich unseres Erachtens anbietet, sich an der L 3460 etwa 250 – 300 m nach links zu wenden und dann rechts den größeren Waldweg hinein zu fahren, der im weiteren Verlauf wieder die ersehnte G-Markierungen aufweist. Hinab auf 320 m in der Nähe der Grundmühle, bergan bis auf 420 m kurz hinter dem Schwedenkreuz, abermals herunter auf 380 m hinter der zu querenden L 3228 und weiter bis auf rund 500 m Höhe im Bereich das Parkplatzes an der L 3147 zwischen Günsterode und Hessisch-Lichtenau waren die anschließenden Teilstücke. Damit hatte die Berg- und Talfahrt noch kein Ende. Weitere Peaks von 480 m und 450 m lagen an der Ruine Reichenbach und bei dem gleichnamigen Ort. Landschaftlich waren diese letzten Kilometer insofern ein Highlight, als sie entweder sehr schöne Aussichten auf den Meißner boten oder durch Wald- und Wiesenlandschaften führten, in denen keine menschliche Behausung zu sehen war, was im dicht besiedelten Deutschland eher die Ausnahme ist. hinter Reichenbach

Einen vorübergehenden topografischen und moralischen Tiefpunkt (270 m) erlangte die Strecke nach 36 km bei Hasselbach, wo die B 7 überquert wurde. Von da an war in einem durchgehenden Anstieg der Meißner bis zum Berggasthof Hoher Meißner auf etwa 700 m zu erklimmen. Und dies sollte man mit dem MtB auf keinen Fall auf dem Grimmsteig in Angriff nehmen. In Unkenntnis der Streckenführung versuchten wir dies gleichwohl und fanden uns verheißungsvoll zunächst auf einem geteerten Feldweg wieder. Der Grimmsteig bog nach einigen hundert Metern nach rechts auf einen unbefestigten Weg ab und wurde wieder ein kurzes Stück später mitten durch den Wald weitergeführt. Überwiegend war der Weg nur aufgrund der G-Markierungen zu erahnen. Die Räder konnten wir ob der starken Steigung, des Wurzelwerkes und/oder des Ge­strüpps nur tragen oder bestenfalls schieben. Dies zog sich über eine nur schwer einzuschätzende Strecke von vielleicht zwei Kilometern hin, bevor wir es in rund 500 m Höhe vorzogen, uns anderweitig durchzuschlagen. Dieses Teilstück lässt dem Bergwanderer sicher das Herz höher schlagen, dem Radfahrer bringt dies nichts außer Schieben, Zecken und Schrammen. Wahrscheinlich wird der Grimmsteig bis zu den Seesteinen und möglicherweise auch darüber hinaus auf diese Art weitergeführt. Wir wandten uns jedenfalls auf guten Waldwegen nach Nordwesten, drehten bei Erreichen entsprechender Wegweiser nach Nordosten, um letztlich bei den Seesteinen zu landen, von wo aus es dann doch größtenteils fahrbar zum genannten Gasthof weiterging, wenn auch unter überwiegender Vermeidung des Grimmsteigs.

Bis dahin waren wir etwa 45 km gefahren und hatten mit rund 1.300 Höhenmetern den größeren Anteil der zu bewältigenden Steigungen geschafft. Ähnlich äußerte sich auch der Kellner der Gaststätte. Für die Spekulation, dass er beim Bezahlen mit den Worten „Das Schlimmste haben Sie hinter sich“ das Essen gemeint haben könnte, gab es angesichts der verspeisten sehr leckeren Lammlasagne nicht den geringsten Anhalt. Obwohl es beim Eintreffen bereits nach 15:00 Uhr war, gab es keine Probleme, als wir nach der Karte für die warmen Gerichte fragten. Auf der Terrasse des Gasthofes hatten wir einen exzellenten Blick nach Westen und auf nahezu jeden Höhenzug, den wir schon bewältigt hatten und noch würden befahren müssen. 
 
Vom Hohen Meißner aus wird der Grimmsteig über Hausen nach Velmeden geführt. In Anbetracht der fortgeschrittenen Zeit und der Unsicherheit, welche Überraschungen die restliche Strecke noch aufzuweisen haben würde, entschlossen wir uns, über die derzeit im Topzustand befindliche L 3241 nach Velmeden abzufahren, was etwa 5 km bei Geschwindigkeiten von bis zu 60 km/h bei reinem Rollenlassen des Rades und gelegentlichem Bremsen bedeutet. Dafür ging es dann von Velmeden wieder berg- und talbahnmäßig von 320 m bis auf 470 m bei Friedrichsbrück bergan, bevor hinter letztgenanntem Ort eine kurze, ebene und gut befahrbare Single-Trail-Passage folgte. Erneut boten sich in dieser Ecke schöne Ausblicke in alle Richtungen. Nach etwa 62 km Gesamtstrecke erreichten wir Helsa-Wickenrode in 300 m Höhe. Hinter diesem Ort ging es noch einmal - teils recht steil - auf über 500 m hoch. Auf der Höhe verlässt der Grimmsteig den breiten Waldweg und führt geradeaus bergab zu einer Schutzhütte, wobei auch hier der Weg voller Gestrüpp und Brennnesseln war, sodass wir es vorzogen, ostwärts bis zum Zinkbaum und wieder westwärts bis zur Schutzhütte zu fahren. Von dort ging es durch das Tal der Nieste. Hier zeigte sich dann die glückliche Auswahl des Startortes, weil bis nach Kaufungen keine nennenswerten Steigungen mehr zu bewältigen waren. Das lag unter anderem auch daran, dass wir im Bereich der „Großen Niestehütte“ nicht rechts der Nieste dem Grimmsteig folgten, sondern links des Baches dem Wanderweg X 7, der bei Buntebock ohnedies wieder auf den Grimmsteig stößt. Die rund 18 km von Wickenrode bis nach Kaufungen wären in etwa einer Stunde zu bewältigen gewesen, wenn wir nicht noch auf dem Weg auf ein Weizenbier eingekehrt wären.

Nach insgesamt 80,34 km, 1.840 Höhenmetern und 5:45 Stunden reiner Fahrzeit bei 8:20 Stunden wirklich viel Fahrspaß einschließlich der Pausen erreichten wir wieder Oberkaufungen.


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Letzte Änderung: Februar 2013